Nicht jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

Die Deutschen und Ihre Dichter. Gerne brüsten wir uns damit, das Land der Dichter und Denker zu sein. Neben dem vermutlich bekanntesten Vertreter (Goethe) gibt es noch eine Vielzahl an Poeten, die ihren Ruhm redlich verdient haben. Einer von diesen hat den Deutschen ihr wohl beliebtestes Zitat gegeben. Sein Name heißt Hermann Hesse und das bekannte Exzerpt lautet: „[…] und jedem Anfang wohnt Zauber inne […]“ und kommt aus dem Gedicht „Stufen“.

Wahrscheinlich hat fast jeder dieses Zitat schon einmal gehört und es ist auch zurecht so beliebt. Denn es drückt so wundervoll die Chance des Neuen aus. Es umschreibt die leere Wiese, auf der man seine Ziele verwirklichen kann. Das vage Gefühl, alles schaffen zu können, da das Neue noch roh ist und man es nur nach seinen Vorstellung formen muss. Ja, auch mir gefällt dieses Zitat sehr. Wie kann es auch nicht, schließlich beschreibt es das Lebensgefühl junger Menschen treffend.

Dennoch finde ich, dass nicht jedem Anfang ein Zauber inne wohnt. Vor allem nicht, wenn es darum geht neue Bücher oder Serien anzufangen. Oftmals ist es so, dass man die Charaktere und Handlung aus gerade beendet Büchern und Serien so verinnerlicht hat, dass man das Gefühl hat, diese Personen seien ein Teil des eigenen Lebens. Viel lieber möchte man die Geschichte von diesen weiterverfolgen, anstatt eine Neue anzufangen. Denn man weiß ja bereits, wie die Personen aus Büchern und Serien ticken. Man kennt das Setting und den Erzählstil des Autoren. Ein neues Buch oder eine neue Serie erfordert da ein Umdenken. Man lernt auf einmal neue Menschen kennen, von denen man nicht weiß, wie sie sind. Selbstverständlich kann es eine Chance sein. Es fühlt sich aber ein wenig so an, als würde man aus seiner Heimatstadt wegziehen. Dort kennt man jede Ecke und hat alle seine Freunde. Wenn man nun wegzieht, verliert man zumeist jedoch den Kontakt und man kommt mit neuen Menschen zusammen. Bei dem Wechseln von Büchern oder Serien ist es ähnlich. Man lässt seine alten Bekannschaften und Freunde zurück, um sein Glück auf einer neuen Seite zu finden. Zum Glück ist es jedoch meist einfacher, ein Buch nochmal zu lesen als in die Heimatstadt zu fahren

Bei dem Gedicht würde ich nur ein Wort tauschen. Anstatt „und“ würde ich „nahezu“ nutzen. „Nahezu jedem Anfang wohnt ein Zauber inne„. Das nimmt den Satz zwar etwas Mystik, gibt ihm jedoch die nötige Korrektheit und letztens Endes ist das doch zauberhaft und eine (deutsche) Tugend.

 

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