Trump als Chance sehen

Ja, ihr habt richtig gelesen. Die Überschrift ist bewusst plakativ und buzzfeedig. Dabei möchte ich gleich im Vorhinein sagen, dass ich die Person Trump so wie viele andere junge und gut gebildete Menschen finde: Einfach zum Kotzen. Er ist ein gefährlicher Demagoge, der keinen festen Standpunkte hat und mit lodernden Ängsten spielt, die schnell zu einem Lauffeuer werden können. Doch darum soll es nicht in diesem Beitrag gehen. Das könnt ihr auf nahezu jeder anderen Nachrichtenseite oder jedem anderen Politikblog lesen.

Was ich hier darstellen möchte, ist eine kleine Idee, wie wir von einem möglichen Wahlausgang zugunsten von Donald Trump haben können. Er fußt auf der starken Zunahme der Google-Suchanfrage während dem SuperTuesday: How to move to Canada. Was bedeutet dies? Nun, erstmal ist es nur eine Suchanfrage und es bedeutet noch lange nicht, dass die Menschen wirklich die USA verlassen werden, falls Trump Präsident werden sollte. Jedoch ist es ein Indikator für die Gefühlslage eines Landes, bzw. einer Gruppe innerhalb dieses Landes. Die Anhänger von Trump haben viele Gemeinsamkeiten, weshalb sie ihn unterstützen. Ein wichtiger davon ist der fehlende Hochschulabschluss. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Spitze in der Suchanfrage „How to move to Canada“ vermutlich von gut gebildeten Amerikanerinnen und Amerikanern kam und hier setzt meine Idee an.

Warum kreiert man nicht ein Kontigent an Visa für Amerikanerinnen und Amerikaner, die bei einer Präsidentschaft von Trump das Land verlassen möchten? Auch wenn es nur eine Vermutung ist, denke ich, dass ein Großteil von ihnen Akademiker sein werden. Der alte Kontinent könnte davon profitieren, wovon Amerika während der 1930 Jahre profitiert hat. Gut gebildete Menschen wandern zuhauf aus und befördern so die Entwicklung des Landes. Nur dieses Mal wäre es anders herum.

Das Problem mit der deutschen Sprache sollte auch nicht zu groß sein, auch wenn Mark Twain etwas anderes behauptet.

 

Solaris

Der Autor wird vielen Menschen bekannt sein, denn sein literarisches Können und sein Einfluss auf das literarische Genre der Science-Fiction ist vermutlich ähnlich groß, wenn nicht noch größer, wie das von Lichtgestalten wie H. G. Wells oder Philip K. Dick. Sein schriftstellerisches Opus reicht von amüsanten Geschichten über den Raumpiloten Ijon Tichy und wissenschaftlichen Kriminalgeschichten bis hin zu metaphysischen Auseinandersetzungen über Wissenschaft, Mystik und menschlichen Gefühlen. Der gesuchte Autor heißt: Stanisław Lem.

Mit seinem Buch Solaris hat er ein Werk geschaffen, das zwischen den beiden Gegensätzen von physikalischer Exaktheit und mystischer Unschärfe changiert. Die auf dem Planeten Solaris entdeckte Lebensform entspricht keiner irdischen Kategorie von Leben und zeigt dennoch Merkmale eines lebenden Organismus. Der gesamte Planet ist von einem Ozean aus einer nicht näher klassifizierbaren Masse gefüllt, in dem immerzu surreale Formen entstehen und zerfallen, so als würde der Ozean selbst atmen und leben. Unzählige Stunden harter, wissenschaftlicher Arbeit konnten zwar kleine Fragen beantworten, jedoch ist jeder holistische Erklärungsversuch für das seltsame Verhalten des Planeten, bzw. seinem Ozean gescheitert.

Im Rahmen einer Forschungsmission begibt sich der Psychologie Kris Kelvin auf die Forschungsstation, die seit mehreren Jahrzenten auf dem Planeten existiert. Auf der Forschungsstation angekommen zeigt sich ihm ein Bilder einer verlassenen und heruntergekommenen Station. Nach kurzer Suche findet er den Kybernetiker Snaut, der sichtlich überrascht ist, eine echte Person anzutreffen. Sie unterhalten sich kurz und er erzählt Kris, dass sich sein Freund Gibarian kurz vor der Ankunft von Kris umgebracht hat. Snaut warnt ihn daraufhin auf kryptischer Weise vor Gestalten, die sich auf der Solaris herumtreiben. Neben Snaut gibt es noch einen weiteren Forscher auf der Station namens Sartorius. Beide Wissenschaftler legen ein äußerst seltsames Verhalten an den Tag. Und dieses Verhalten hat einen triftigen Grund.

Ein wenig später stellt sich heraus, dass jeder der drei Forscher einen Besucher hat, der mit dem Leben des jeweiligen Wissenschaftlers eng verbunden ist. Obwohl diese Personen den Anschein eines echten Menschen haben, sind sie jedoch nicht reell. Sie entsprechen eher der Erinnerung, die der jeweilige Forscher über seinen Besucher hat. Diese Personen wissen nicht, wie oder weshalb sie auf dem Planeten sind und müssen in der Gegenwart ihrer jeweiligen Bezugsperson sein. Es scheint, als würde der Planet in der Lage sein, in die Gedanken und Erinnerungen der Planetenbesucher einzudringen und lässt ihnen für sie wichtige Personen erscheinen.

Nach anfänglicher Abwehr gegenüber seinem Besuch ergibt sich Kris Kelvin immer mehr der Möglichkeit, mit diesem Menschen wieder zusammenzuleben. Mit fortschreitender Zeit entwickelt Kris so etwas wie eine innige Verbundenheit mit seinem Besucher und hält ihn am Ende für so reell, dass er ihn mit zur Erde zurücknehmen möchte.
Dieser Entwicklung steht jedoch die Veränderung des Besuchers entgegen. Je mehr Zeit der Besucher auf dem Planeten verbringt, desto mehr wird ihm bewusst, dass er nicht die echte Person, sondern nur das Ebenbild der Erinnerung ist. Er spürt auch, dass Kris sich ihm immer anhängiger fühlt und Realität und Fiktion nicht mehr voneinander unterscheiden kann. Um Kris zu schützen, fässt er den Entschluss, sich seiner Selbst zu entledigen. Durch Versuche, die von Snaut, Kris und Sartorius durchgeführt wurden, kennt der Besucher diese Möglichkeit.
In einer Nacht schlüpft der Besucher aus dem Zimmer und führt mit Snaut und Sartorius den Versuch durch und löst sich selber auf. Kris kommt zu spät und kann nur noch mit ansehen, wie sein Besuch verschwindet.

Das Buch endet damit, dass Kris draußen auf der Oberfläche des Planeten auf einem Vorsprung sitzt und mit den nebelartigen Ausläufern des Ozeans spielt.

Wie bereits eingangs erwähnt ist das zentrale Thema dieses Buches der nicht zu überbrückende Widerspruch zwischen Wissenschaft und Emotionen. Lem vereint diesen scheinbaren Widerspruch jedoch in den Eigenschaften des Ozeans. Zum einen gehorcht dieser Ozean strengen wissenschaftlichen Regeln, zum anderen ist er in der Lage auf Menschen zu reagieren. Dabei scheint er sich einer Form der Kommunikation zu bedienen, die dem Menschen verschlossen bleibt. Es wird nicht klar, weshalb er den Wissenschaftlern diese Besucher zukommen lässt. Möchte er ihnen die Möglichkeit geben, mit diesen Menschen abermals Zeit zu verbringen oder möchte er, dass sie sich mit ihren Fehlern beschäftigen, um so eventuell Katharsis zu betreiben?

Das Buch entlässt einem mit dem Gefühl der fragenden Ungläubigkeit und hinterlässt im Leser viele Fragen. Dadurch bietet es viel Platz für Interpretation und Analysen im Leser. Da Lem ein Autor ist, der aus dem wissenschaftlichen Umfeld kommt, lässt er diese Fragen bewusst so offen, denn er möchte, dass der Leser sich philosophisch mit dieser Fragestellung auseinander setzt.

Der fiktive Tagebucheintrag meines Großvaters

Vogelsang, d 29.11.2010

Heute hat es wieder geschneit und das gefrorene Wasser hat  an den Fensterscheiben ein Geflecht erstellt, was einen an Efeu erinnert. Mir vergeht die Lust am Essen und am Trinken. Die Tage werden von Tag zu Tag gleicher. Ab und zu kommen meine Söhne vorbei, um zu schauen, wie es mir geht.

Meistens reden wir über dieselben Themen: Was in unserem alten Dorf von 150 Seelen passiert und was ich zum Mittag gegessen habe.
Leider habe ich es versäumt, eine väterliche Beziehung zu meinen Kindern und Enkelkindern aufzubauen, so dass wir nie über unsere Gefühle miteinander reden konnten.
Nun, gut. Sich darüber zu lamentieren bringt jetzt auch nichts mehr. Auf meinen letzten Tagen auf dieser Erde werde ich das nicht mehr ändern können.

Langsam merke ich auch, dass mein Gehirn mich im Stich lässt. Bis vor einem Jahr konnte ich  das Weltgeschehen noch aus meinem Sessel nachverfolgen. Doch mittlerweile werden für mich auch die einfachsten Zusammenhänge zusehends komplexer und undurchdringlicher. Seit kurzem baut mein Körper auch stark ab. Ich bin öfters im Krankenhaus.

Dabei sollte ich mich aber nicht beschweren. Ich bin nahezu ohne gesundheitliche Probleme durch dieses Leben gewandert – abgesehen von den 3 Schusswunden im 2. WK. Bei meiner Rettungsaktion sind 3 meiner Kameraden ums Leben gekommen. Ich lag dort 6 Stunden – ehe ich gerettet wurde. Das Gesicht meiner gefallen Kameraden ist jedoch präsenter denn je.

Den 2. WK habe ich auch – abgesehen von meiner Verletzung – halbwegs gut umschifft. Als Hufschmied war ich stehts hinter den feindlichen Linien positioniert und war so gut wie nie an der Front. Eigentlich müsste ich sogar noch 3 Tage in ein Gefängnis, weil ich mich weigerte, Partisanen zu erschießen – ich denke aber, das ist verjährt.
Nach meinem Lazarettaufenthalt habe ich mich dann für die Westfront gemeldet und alsbald desertiert. Interssanteweise wurden die „Ergebungsflugbläter“, die man großräumig über Frankreich abgeworfen hatte, bereits 1941 gedruckt.

Nach dem Krieg habe ich ruhige 35 Jahre als Bauarbeiter, später als  Bauherr, an den verschiedensten Stellen der Republik gearbeitet und mein Leben genossen. 3 Kinder habe ich bekommen – eines ist mit knapp 40 an Krebs verstorben.

Jetzt bin ich schon über 30 Jahre in Rente.

92 Jahre bin ich nun auf dieser Erde und selbstverständlich fragt man sich da, was man in seinem Leben erreicht hat. Nun, eigentlich habe ich kein besonderes Leben geführt. Meine Kinder sind irgendwie erwachsen geworden. Mit meiner Ehefrau habe ich eher eine Zweckehe geführt und meine Arbeit war auch nur 0815.

Manchmal würde ich gerne mit Helmut Schmidt reden, der ist genauso alt wie ich, um mal zu sehen, ob sein Leben besser war als meins. Vermutlich nicht.

ADDENDUM: Dinge, die in meiner Lebenszeit geschehen sind.

– Der letzte Kaiser
– Aufstieg und Fall der größten Massenmörder  der Welt (Hitler, Stalin, Mao)
– Kommunismus
– 2 Deutschlands
– Internet
– Telefon
– Handy
– Fernseher
– Computer
– Mondlandung
– RAF
– Kalter Krieg
– Atombomben
-Aufbau und Zerfall Deutschlands
-Der längste Frieden in Europa

Ich glaube, mit diesem letzten Spiegelstrich kann ich aufhören.

War es das alles Wert? Wer weiß…  Ich gehe jetzt auf jeden Fall in mein Bett und hoffe, dass ich die Augen zum letzten Mal auf dieser Welt zu mache.

Danke Welt, für mein Leben.