Vorboten des Stillstands

Die deutsche Gesellschaft steckt derzeit mitten in einem Wandel. Dieser Wandel wird jedoch nicht dazu führen, dass sich etwas ändert, sondern dass der Status Quo bestehen bleibt.

Würde man einen Ausländer über deutsche Stereotype abfragen, dann kämen neben den Klassikern wie „Lederhosen, Bier und Bratwurst“ vielleicht aber auch der Begriff der German Angst zum Vorschein. Jede Art eines Stereotyps sollte mit Vorsicht genossen werden, wobei ich denke, dass in diesem vielleicht ein Quäntchen mehr Wahrheit enthalten ist. Deutschland ist ein Land, das durch Vorschriften & Regeln geprägt und organisiert wird. Dieses Konzept scheint auch erfolgreich zu sein, wenn man sich die Wirtschaftsstärke Deutschlands oder aber internationale Indizes wie den Human Development Index vergegenwärtigt.
Das Problem, das durch diese Art der Gesellschaftsorganisation entsteht, ist, dass die Menschen einen Hang, bzw. eine Vorliebe dafür entwickeln, alles in strengen Prozessen zu organisieren. Diesem Konzept kann man ambivalent gegenüberstehen, jedoch ist nicht zu bestreiten, dass es dazu führt, dass Abweichungen von der Prozedur gemieden, wenn nicht gar aktiv bekämpft werden. Neuerungen werden als beängstigend empfunden und vielleicht ist dies einer der vielen Ursachen, weshalb es den Stereotyp der German Angst gibt.
In einer internationalen Gesellschaft, die das Prinzip der stetigen und immer schnelleren Veränderung schon fast zur Maxime erhoben hat, kann diese Zukunftsangst eine Last für eine Gesellschaft sein.

Wie weiter oben beschrieben, scheint es bisher jedoch noch genügend Deutsche gegeben zu haben, die dafür sorgten, dass Deutschland diesen Wandel mitgemacht hat – wenn auch vielleicht widerstrebend (Man möge sich die Verweigerung der Deutschen Bank zur Einführung von Schreibmaschinen Ende d. 19. Jhd. vergegenwärtigen).

Ich glaube aber, dass dieser (freier) Wille in Zukunft abnehmen wird. Nahezu alle Großbauprojekte werden mit Vehemenz verhindert, wie z.B. der Umbau des Stuttgarter Bahnhofs, Stromtrassen oder die Umlegung des Bahnhofs-Altona in Hamburg, um nur einige zu nennen. Natürlich ist es gestattet, sich in einer Demokratie zu organisieren und seinen Unmut zu äußern. Mittlerweile scheint es aber schon so weit zu gehen, dass die Ausschreibung von Naturschutzgebieten zu progressiv ist und bekämpft gehört. Diese Abneigung gegenüber Veränderungen – ob gut oder schlecht – scheinen nur Vorboten zu sein. Denn Fakt ist: Deutschland alter. Rasant. Schon jetzt gehört Deutschland mit zu den ältesten Nationen der Welt – nur noch überholt von Japan.
Dies wird dazu führen, dass Themen für alte Menschen überproportional wichtig werden. Gleichzeitig ist auch bekannt, dass ältere Menschen eher dazu neigen, alles beim Alten belassen zu wollen, anstatt etwas Neues zu wagen.

Das ist als Korrektiv einer Gesellschaft in Ordnung, solange es mehr Junge als Alte gibt. Dies Verhältnis scheint jedoch derzeit zu kippen und zeigt bereits erste Auswirkungen.

All diese diffusen Ängste scheinen in der AFD zu kulminieren. Die Partei steht für eine Rückwärtsgewandtheit und zieht dementsprechend auch das Klientel an. Also vor allem ältere Menschen. Es bleibt offen, wie stark die AFD als politische Macht werden wird und ob sie ihre Ziele in reale Gesetze umwandeln kann.
Diese Entwicklungen sind alles Vorboten für den immer stärker werdenden Widerstand gegen Wandel und Veränderungen. Es wird immer schwerer werden, Neuerungen wie selbstfahrende Autos, E-Health oder E-Banking flächendeckend durchzusetzen.

Wenn wir alten Menschen nicht verdeutlichen können, dass Veränderungen auch für sie gut sein können, dann werden es die Jüngeren schwer haben, in dieser Welt mitzukommen.

Den antiken Griechen war dieses Problem schon bekannt und sie haben es in einem wunderbaren Aphorismus festgehalten:

A society growths great when old men and women plant trees whose shade they will never sit in.

Nehmen wir uns an ihnen ein Beispiel.

Die Symbiose aus YouTube und Vine

Das Internet. Ein Leben ohne es scheint in westlichen Ländern kaum mehr möglich zu sein. Wir beschaffen uns unser Liebensleben darüber, buchen unseren Urlaub und können durch die Vernetzung Distanzen von tausenden von Kilometern zumindest gefühlt durch einen Swipe überbrücken. Daher ist auch der neue Wandel gut nachzuvollziehen, der sich gerade in der Musik- und Fernsehszene vollzieht.

Seinen derzeitigen Höhepunkt hat dieser Trend in dem neuen Beginner Video „Es war einmal“. Dort rappen die drei Hanseaten in gewohnt entspannter und näselnder Manier über die gebastelten Beats. Nun ist es schon seit der Zeit als MTV noch wichtig war so, dass ein Song mit dem richtigen Video noch eine viel größere Reichweite bekommen kann. Der Strategie schlossen sich auch die Beginner an. Jedoch zeigen sie kein Konzeptvideo, in dem sie ein Musikvideo wie einen klassischen Film darstellen, sondern sie richten sich nach den neuen Sehgewohnheiten. Es ist sicherlich kein Zufall, dass die beiden tragenden Säulen in dem neuen Video große Überschneidungen mit den Erfolgskonzepten von YouTube und Vine haben.

Ein wichtiges Feature von YouTube, um Klickzahlen zu generieren, ist die Cross-Promotion mit anderen YouTubern. Die Reichweite durch Cross-Promotion hat immensen Einfluss auf den Erfolg eines Kanals und YouTube ist sich dessen bewusst und informiert seine Content-Creator gerne darüber. Vine hingegen verfolgt ein anderes Erfolgsrezept. Dort ist es nicht die Kollaboration mit anderen Kanälen, sondern die Ausschüttung von Glückshormonkaskaden, indem Videos  von wenigen Sekunden länge gezeigt werden. Die Länge dieser Videos und die Menge an Informationen scheint perfekt auf unsere Gehirne abgestimmt zu sein. Das Video ist lang genug, um den Inhalt zu verstehen und kurz genug, sodass man sich schon bald auf neuen Inhalt freuen kann, sollte einen das derzeitige Video nicht gefallen. Normalerweise swipen, bzw. wischen wir durch Bilder und holen uns dadurch immer wieder neue Glückshormonkaskaden. Vine ging einen Schritt weiter und zeigt uns aneinander gereihte Bilder.

Wenn man diese beiden Konzepte auf das Video der Beginner anwendet, dann ist der Erfolg des Videos sehr schnell nachzuvollziehen. Zum einen nutzt es die Zusammenarbeit einer großen Runde illustrer deutscher Persönlichkeiten und verpackt dieses auch noch in gehringerechte Stücke, sodass wir sie munter herunterschlucken. Sie haben die Symbiose aus den derzeit erfolgreichsten Strategien vollzogen.

Sie sind mit diesem Konzept in bekannter Gesellschaft. So verwenden Deichkind, Böhmermann, Jennifer Rostock und auch Circus Halligalli (ab Min 09:22) diese Idee. Es scheint, als wird sich bald eine neue Welle an Videos in unseren Social Media Feeds breit machen und sie werden folgendes Credo haben:

Zeige möglichst viele Menschen in deinem Video, aber zeige sie alle nachheinander, um die Menschen bei Laune zu halten. Der Inhalt kann ruhig etwas in den Hintergrund treten. Denn nichts hält uns besser vorm Bildschirm, als die Verbindung von den derzeit zwei stärksten Seditativa.

Nicht jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

Die Deutschen und Ihre Dichter. Gerne brüsten wir uns damit, das Land der Dichter und Denker zu sein. Neben dem vermutlich bekanntesten Vertreter (Goethe) gibt es noch eine Vielzahl an Poeten, die ihren Ruhm redlich verdient haben. Einer von diesen hat den Deutschen ihr wohl beliebtestes Zitat gegeben. Sein Name heißt Hermann Hesse und das bekannte Exzerpt lautet: „[…] und jedem Anfang wohnt Zauber inne […]“ und kommt aus dem Gedicht „Stufen“.

Wahrscheinlich hat fast jeder dieses Zitat schon einmal gehört und es ist auch zurecht so beliebt. Denn es drückt so wundervoll die Chance des Neuen aus. Es umschreibt die leere Wiese, auf der man seine Ziele verwirklichen kann. Das vage Gefühl, alles schaffen zu können, da das Neue noch roh ist und man es nur nach seinen Vorstellung formen muss. Ja, auch mir gefällt dieses Zitat sehr. Wie kann es auch nicht, schließlich beschreibt es das Lebensgefühl junger Menschen treffend.

Dennoch finde ich, dass nicht jedem Anfang ein Zauber inne wohnt. Vor allem nicht, wenn es darum geht neue Bücher oder Serien anzufangen. Oftmals ist es so, dass man die Charaktere und Handlung aus gerade beendet Büchern und Serien so verinnerlicht hat, dass man das Gefühl hat, diese Personen seien ein Teil des eigenen Lebens. Viel lieber möchte man die Geschichte von diesen weiterverfolgen, anstatt eine Neue anzufangen. Denn man weiß ja bereits, wie die Personen aus Büchern und Serien ticken. Man kennt das Setting und den Erzählstil des Autoren. Ein neues Buch oder eine neue Serie erfordert da ein Umdenken. Man lernt auf einmal neue Menschen kennen, von denen man nicht weiß, wie sie sind. Selbstverständlich kann es eine Chance sein. Es fühlt sich aber ein wenig so an, als würde man aus seiner Heimatstadt wegziehen. Dort kennt man jede Ecke und hat alle seine Freunde. Wenn man nun wegzieht, verliert man zumeist jedoch den Kontakt und man kommt mit neuen Menschen zusammen. Bei dem Wechseln von Büchern oder Serien ist es ähnlich. Man lässt seine alten Bekannschaften und Freunde zurück, um sein Glück auf einer neuen Seite zu finden. Zum Glück ist es jedoch meist einfacher, ein Buch nochmal zu lesen als in die Heimatstadt zu fahren

Bei dem Gedicht würde ich nur ein Wort tauschen. Anstatt „und“ würde ich „nahezu“ nutzen. „Nahezu jedem Anfang wohnt ein Zauber inne„. Das nimmt den Satz zwar etwas Mystik, gibt ihm jedoch die nötige Korrektheit und letztens Endes ist das doch zauberhaft und eine (deutsche) Tugend.

 

Geschenke zum Vatertag

Das Jahr ist bald wieder herum und viele Männer in diesem Land bereiten sich bereits seit Wochen frenetisch auf einen Wandertag mit viel Bier, Grillgut und lautem Gegröle vor. Unzählige WhatsApp-Gruppen füllen sich mit Organigrammen für die Beschaffung von Alkohol und co. und mit jedem weiteren Tag wird diesem kathartischen Ritual entgegengefiebert. Ja, bald ist Himmelfahrt und somit steht der Herrentag vor der Tür. Mal davon abgesehen, dass mittlerweile auch viele Frauen in Gruppen und mit Bollerwagen über das Land ziehen und sich diesem Kult angeschlossen haben, firmiert der Tag auch unter dem Namen Vatertag.

Einen eigenen Tag auszurufen, um seinen Vater (oder ein paar Tage später seine Mutter) zu ehren, kann man sehen wie man möchte. Entweder man versteht es als einen Tag, an dem man sich bei seinem Vater durch eine nette Geste seiner Schuld des Vorjahres befreien kann oder man sieht es als einfache Möglichkeit, seinem alten Mann etwas Gutes zu tun, unabhängig vom Anlass. Ich plädiere für die zweite Auslegung.

Hier kommen wir aber auch schon zum Pudels Kern. Sobald man das Internet nach möglichen Geschenken für Väter zum Vatertag durchforstet, bekommt man den Eindruck, dass Väter nur whiskey-trinkende, werkzeug-liebende, zigarre-rauchende Einfallspinsel sind, die den gesamten Tag mit billigen Technikgadget verbringen. Ich will nicht sagen, dass solche Geschenke schlecht wären; sie wirken einfach sehr klischeebehaftet. Viele Menschen werden ihren Vätern dennoch Geschenke aus der Fundgrube der Stereotype schenken. In Ordnung, aber ich glaube, dass sich Väter mehr über ein paar nette Zeilen freuen, als einem einfachen Geschenk. Nehmt euch die Zeit, ein paar nette Worte über euren alten Herren auf einem separaten Stück Papier beizulegen

The Rant Society

Es gibt eine Anekdote über den Sprachgebrauch der Nationalsozialisten und der Probleme, die sie dadurch hatten.
Wie alle wissen haben sich die Nationalsozialisten an dem sprachlichen Fundus des Populismus‘, Rassenwahns und Menschenverachtung bedient, um ihre Ziele zu erreichen. Da sie aber auch gut verstanden haben, wie Menschen funktionieren, haben sie sich eines psychologischen Tricks bedient. Bei nahezu allen Reden, öffentlichen Auftritten und geschriebenen Worten wurden die Argumente durch die Nutzung von Superlativen mit einem hohen Level der Erregtheit versehen. Die Gefahr war nicht einfach groß, sie war gigantisch, total oder verheerend. Jede Schlacht war epochal und heroisch. Im Sprachgebrauch der Nationalsozialisten gab es einfach kein Platz für eine Unterhaltung in Zimmerlautstärke. Damit konnten die Führungsriege die Menschen in die gewollte Alarmbereitschaft und Besorgnis bringen, um die Massen dann wie ein Puppenspieler zu führen. So weit, so bekannt.
Oftmals ist man sich des logischen Schluss‘ jedoch nicht bewusst, der daraus folgt. Es ist nun einmal so, dass Menschen sich auch an das Erregungslevel eines Superlativs gewöhnen und es nach einer Weile als normal empfinden. Das führte dazu, dass dem Propagandaapparat die Superlative ausgingen. Sie versuchten das Niveau der Erregtheit mit Konstruktion wie

„Wollt ihr den totalen Krieg? Wollt ihr ihn wenn nötig totaler und radikaler[…]„? (J. Goebbels, Sportpalastrede 1943)

aufrecht zu erhalten. Wo dieser Irrweg hingeführt hat, können wir in Geschichtsbüchern nachlesen.

Man kann aus dieser Anekdote wichtige Erkenntnisse ziehen. Zum einen hast du mehr Erfolg, wenn du laut schreist und zum anderen, wenn du dich mit deinen Argumenten über andere stellst.

Diese Erkenntnis führt uns direkt ins Internetzeitalter. Denn ich glaube, dass uns das Internet zu einer Rant Society formt.

Viele Menschen nutzen die Angebot des Internets friedlich und entspannt und möchten anderen Menschen nichts Böses. Nur ist es so, dass man von diesen Menschen nichts hört, da sie nicht polarisieren. Erfolg hast du im Internet (oftmals), wenn du laut und gemein bist. Anders ist es nicht zu erklären, wie Woche um Woche neue Shitstorm und Hatewaves das Internet wie Orkane und Taifuns heimsuchen und damit das Leben vieler Menschen nachhaltig zerstören (Auch wenn der Tweet leider ein schlecht kommunizierter Witz war). Klar, Lynchjustiz fühlt sich gut an, da man selber zum rechtschaffenen Menschen wird und die Unterminierung der Moral abwendet. Man handelt nach dem moralischen Gesetz der Masse und kann sich so einer Gruppe angehörig fühlen. Das Verhalten wird gerne mit einer kleinen Formel wiedergegeben, die ich bei Penny Arcade gefunden habe.

Normal Person + Anonymity + Audience = Total Fuckwad

Dies stimmt sicherlich für viele Menschen, ist aber wahrscheinlich etwas zu kurz gegriffen. Denn man sollte nicht Angst haben vor den Menschen, die in Anonymität ihren Gefühlen freien Lauf lassen, sondern bei denen, die es mit Klarnamen machen (frei nach Frank Schirrmacher). Egal ob Klarname oder Pseudonym: Man muss sich stets aufregen, um jemanden noch hinter dem Ofen hervorzulocken.

Dies führt uns zu einem weiteren Charakteristtikum der Rant Society. Du kannst nicht nur populär werden, wenn du laut und gemein bist, du kannst auch Geld damit machen und das leider quer durch das politische Spektrum. Es ist völlig egal, ob man sich als AFD-Sympathisant oder Compact-Leser darüber aufregt, dass gerade wieder Flüchtlinge kommen oder sich bei  Böhmermann seines „moral high ground“ bestätigt, wenn man sich über diese Menschen lustig macht. Auf YouTube gibt es unzählige Kanäle, die ihren Erfolg durch lautes Brüllen und Aufregung bekommen, wie z.B. Nostalgia CriticAngry Video Game Nerd oder Francis Rage. Wobei der fairnesshalber gesagt werden muss, dass die YouTube und Böhmermann eine Rolle spielen.

Anscheinend benötigen wir mittlerweile einfach dieses Level der Erregtheit, um noch unterhalten zu werden. Es reicht nicht mehr, wenn jemand einen guten Witz macht. Er muss mindestens gebrüllt sein und uns das Gefühl geben, besser als andere zu sein. Die Rant Society fühlt sich ein bisschen so an, als würde jeder mit einem Megaphone herumlaufen, um den anderen zu übertönen und herunterzuspielen und wenn das nicht mehr reicht, dann kauft man sich einen Wagen mit einer Lautsprecheranlage, von dem aus man die Nachbarschaft beschallt.

Altes, kleines Filmprojekt

Während meiner Zeit in Ilmenau gab es ein kleinen Filmwettkampf, bei dem eine kleine Filmgruppe innerhalb von 50h einen kompletten Film konzipieren, drehen, schneiden und nachbearbeiten muss. Der Clue dabei: Kein Team kennt das Thema vorher. Die Teams müssen also unter hohem Zeitdruck Idee haben und dann natürlich auch noch umsetzen. Wer sich mit Filmerei auskennt, der weiß, dass selbst kleinste Videodrehs einen hohen Zeitaufwand haben.

Was bei uns dabei herausgekommen ist, könnt ihr im nachfolgenden Video sehen. Achja, gewonnen haben wir dann natürlich auch.

Trump als Chance sehen

Ja, ihr habt richtig gelesen. Die Überschrift ist bewusst plakativ und buzzfeedig. Dabei möchte ich gleich im Vorhinein sagen, dass ich die Person Trump so wie viele andere junge und gut gebildete Menschen finde: Einfach zum Kotzen. Er ist ein gefährlicher Demagoge, der keinen festen Standpunkte hat und mit lodernden Ängsten spielt, die schnell zu einem Lauffeuer werden können. Doch darum soll es nicht in diesem Beitrag gehen. Das könnt ihr auf nahezu jeder anderen Nachrichtenseite oder jedem anderen Politikblog lesen.

Was ich hier darstellen möchte, ist eine kleine Idee, wie wir von einem möglichen Wahlausgang zugunsten von Donald Trump haben können. Er fußt auf der starken Zunahme der Google-Suchanfrage während dem SuperTuesday: How to move to Canada. Was bedeutet dies? Nun, erstmal ist es nur eine Suchanfrage und es bedeutet noch lange nicht, dass die Menschen wirklich die USA verlassen werden, falls Trump Präsident werden sollte. Jedoch ist es ein Indikator für die Gefühlslage eines Landes, bzw. einer Gruppe innerhalb dieses Landes. Die Anhänger von Trump haben viele Gemeinsamkeiten, weshalb sie ihn unterstützen. Ein wichtiger davon ist der fehlende Hochschulabschluss. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Spitze in der Suchanfrage „How to move to Canada“ vermutlich von gut gebildeten Amerikanerinnen und Amerikanern kam und hier setzt meine Idee an.

Warum kreiert man nicht ein Kontigent an Visa für Amerikanerinnen und Amerikaner, die bei einer Präsidentschaft von Trump das Land verlassen möchten? Auch wenn es nur eine Vermutung ist, denke ich, dass ein Großteil von ihnen Akademiker sein werden. Der alte Kontinent könnte davon profitieren, wovon Amerika während der 1930 Jahre profitiert hat. Gut gebildete Menschen wandern zuhauf aus und befördern so die Entwicklung des Landes. Nur dieses Mal wäre es anders herum.

Das Problem mit der deutschen Sprache sollte auch nicht zu groß sein, auch wenn Mark Twain etwas anderes behauptet.

 

Solaris

Der Autor wird vielen Menschen bekannt sein, denn sein literarisches Können und sein Einfluss auf das literarische Genre der Science-Fiction ist vermutlich ähnlich groß, wenn nicht noch größer, wie das von Lichtgestalten wie H. G. Wells oder Philip K. Dick. Sein schriftstellerisches Opus reicht von amüsanten Geschichten über den Raumpiloten Ijon Tichy und wissenschaftlichen Kriminalgeschichten bis hin zu metaphysischen Auseinandersetzungen über Wissenschaft, Mystik und menschlichen Gefühlen. Der gesuchte Autor heißt: Stanisław Lem.

Mit seinem Buch Solaris hat er ein Werk geschaffen, das zwischen den beiden Gegensätzen von physikalischer Exaktheit und mystischer Unschärfe changiert. Die auf dem Planeten Solaris entdeckte Lebensform entspricht keiner irdischen Kategorie von Leben und zeigt dennoch Merkmale eines lebenden Organismus. Der gesamte Planet ist von einem Ozean aus einer nicht näher klassifizierbaren Masse gefüllt, in dem immerzu surreale Formen entstehen und zerfallen, so als würde der Ozean selbst atmen und leben. Unzählige Stunden harter, wissenschaftlicher Arbeit konnten zwar kleine Fragen beantworten, jedoch ist jeder holistische Erklärungsversuch für das seltsame Verhalten des Planeten, bzw. seinem Ozean gescheitert.

Im Rahmen einer Forschungsmission begibt sich der Psychologie Kris Kelvin auf die Forschungsstation, die seit mehreren Jahrzenten auf dem Planeten existiert. Auf der Forschungsstation angekommen zeigt sich ihm ein Bilder einer verlassenen und heruntergekommenen Station. Nach kurzer Suche findet er den Kybernetiker Snaut, der sichtlich überrascht ist, eine echte Person anzutreffen. Sie unterhalten sich kurz und er erzählt Kris, dass sich sein Freund Gibarian kurz vor der Ankunft von Kris umgebracht hat. Snaut warnt ihn daraufhin auf kryptischer Weise vor Gestalten, die sich auf der Solaris herumtreiben. Neben Snaut gibt es noch einen weiteren Forscher auf der Station namens Sartorius. Beide Wissenschaftler legen ein äußerst seltsames Verhalten an den Tag. Und dieses Verhalten hat einen triftigen Grund.

Ein wenig später stellt sich heraus, dass jeder der drei Forscher einen Besucher hat, der mit dem Leben des jeweiligen Wissenschaftlers eng verbunden ist. Obwohl diese Personen den Anschein eines echten Menschen haben, sind sie jedoch nicht reell. Sie entsprechen eher der Erinnerung, die der jeweilige Forscher über seinen Besucher hat. Diese Personen wissen nicht, wie oder weshalb sie auf dem Planeten sind und müssen in der Gegenwart ihrer jeweiligen Bezugsperson sein. Es scheint, als würde der Planet in der Lage sein, in die Gedanken und Erinnerungen der Planetenbesucher einzudringen und lässt ihnen für sie wichtige Personen erscheinen.

Nach anfänglicher Abwehr gegenüber seinem Besuch ergibt sich Kris Kelvin immer mehr der Möglichkeit, mit diesem Menschen wieder zusammenzuleben. Mit fortschreitender Zeit entwickelt Kris so etwas wie eine innige Verbundenheit mit seinem Besucher und hält ihn am Ende für so reell, dass er ihn mit zur Erde zurücknehmen möchte.
Dieser Entwicklung steht jedoch die Veränderung des Besuchers entgegen. Je mehr Zeit der Besucher auf dem Planeten verbringt, desto mehr wird ihm bewusst, dass er nicht die echte Person, sondern nur das Ebenbild der Erinnerung ist. Er spürt auch, dass Kris sich ihm immer anhängiger fühlt und Realität und Fiktion nicht mehr voneinander unterscheiden kann. Um Kris zu schützen, fässt er den Entschluss, sich seiner Selbst zu entledigen. Durch Versuche, die von Snaut, Kris und Sartorius durchgeführt wurden, kennt der Besucher diese Möglichkeit.
In einer Nacht schlüpft der Besucher aus dem Zimmer und führt mit Snaut und Sartorius den Versuch durch und löst sich selber auf. Kris kommt zu spät und kann nur noch mit ansehen, wie sein Besuch verschwindet.

Das Buch endet damit, dass Kris draußen auf der Oberfläche des Planeten auf einem Vorsprung sitzt und mit den nebelartigen Ausläufern des Ozeans spielt.

Wie bereits eingangs erwähnt ist das zentrale Thema dieses Buches der nicht zu überbrückende Widerspruch zwischen Wissenschaft und Emotionen. Lem vereint diesen scheinbaren Widerspruch jedoch in den Eigenschaften des Ozeans. Zum einen gehorcht dieser Ozean strengen wissenschaftlichen Regeln, zum anderen ist er in der Lage auf Menschen zu reagieren. Dabei scheint er sich einer Form der Kommunikation zu bedienen, die dem Menschen verschlossen bleibt. Es wird nicht klar, weshalb er den Wissenschaftlern diese Besucher zukommen lässt. Möchte er ihnen die Möglichkeit geben, mit diesen Menschen abermals Zeit zu verbringen oder möchte er, dass sie sich mit ihren Fehlern beschäftigen, um so eventuell Katharsis zu betreiben?

Das Buch entlässt einem mit dem Gefühl der fragenden Ungläubigkeit und hinterlässt im Leser viele Fragen. Dadurch bietet es viel Platz für Interpretation und Analysen im Leser. Da Lem ein Autor ist, der aus dem wissenschaftlichen Umfeld kommt, lässt er diese Fragen bewusst so offen, denn er möchte, dass der Leser sich philosophisch mit dieser Fragestellung auseinander setzt.