Solaris

Der Autor wird vielen Menschen bekannt sein, denn sein literarisches Können und sein Einfluss auf das literarische Genre der Science-Fiction ist vermutlich ähnlich groß, wenn nicht noch größer, wie das von Lichtgestalten wie H. G. Wells oder Philip K. Dick. Sein schriftstellerisches Opus reicht von amüsanten Geschichten über den Raumpiloten Ijon Tichy und wissenschaftlichen Kriminalgeschichten bis hin zu metaphysischen Auseinandersetzungen über Wissenschaft, Mystik und menschlichen Gefühlen. Der gesuchte Autor heißt: Stanisław Lem.

Mit seinem Buch Solaris hat er ein Werk geschaffen, das zwischen den beiden Gegensätzen von physikalischer Exaktheit und mystischer Unschärfe changiert. Die auf dem Planeten Solaris entdeckte Lebensform entspricht keiner irdischen Kategorie von Leben und zeigt dennoch Merkmale eines lebenden Organismus. Der gesamte Planet ist von einem Ozean aus einer nicht näher klassifizierbaren Masse gefüllt, in dem immerzu surreale Formen entstehen und zerfallen, so als würde der Ozean selbst atmen und leben. Unzählige Stunden harter, wissenschaftlicher Arbeit konnten zwar kleine Fragen beantworten, jedoch ist jeder holistische Erklärungsversuch für das seltsame Verhalten des Planeten, bzw. seinem Ozean gescheitert.

Im Rahmen einer Forschungsmission begibt sich der Psychologie Kris Kelvin auf die Forschungsstation, die seit mehreren Jahrzenten auf dem Planeten existiert. Auf der Forschungsstation angekommen zeigt sich ihm ein Bilder einer verlassenen und heruntergekommenen Station. Nach kurzer Suche findet er den Kybernetiker Snaut, der sichtlich überrascht ist, eine echte Person anzutreffen. Sie unterhalten sich kurz und er erzählt Kris, dass sich sein Freund Gibarian kurz vor der Ankunft von Kris umgebracht hat. Snaut warnt ihn daraufhin auf kryptischer Weise vor Gestalten, die sich auf der Solaris herumtreiben. Neben Snaut gibt es noch einen weiteren Forscher auf der Station namens Sartorius. Beide Wissenschaftler legen ein äußerst seltsames Verhalten an den Tag. Und dieses Verhalten hat einen triftigen Grund.

Ein wenig später stellt sich heraus, dass jeder der drei Forscher einen Besucher hat, der mit dem Leben des jeweiligen Wissenschaftlers eng verbunden ist. Obwohl diese Personen den Anschein eines echten Menschen haben, sind sie jedoch nicht reell. Sie entsprechen eher der Erinnerung, die der jeweilige Forscher über seinen Besucher hat. Diese Personen wissen nicht, wie oder weshalb sie auf dem Planeten sind und müssen in der Gegenwart ihrer jeweiligen Bezugsperson sein. Es scheint, als würde der Planet in der Lage sein, in die Gedanken und Erinnerungen der Planetenbesucher einzudringen und lässt ihnen für sie wichtige Personen erscheinen.

Nach anfänglicher Abwehr gegenüber seinem Besuch ergibt sich Kris Kelvin immer mehr der Möglichkeit, mit diesem Menschen wieder zusammenzuleben. Mit fortschreitender Zeit entwickelt Kris so etwas wie eine innige Verbundenheit mit seinem Besucher und hält ihn am Ende für so reell, dass er ihn mit zur Erde zurücknehmen möchte.
Dieser Entwicklung steht jedoch die Veränderung des Besuchers entgegen. Je mehr Zeit der Besucher auf dem Planeten verbringt, desto mehr wird ihm bewusst, dass er nicht die echte Person, sondern nur das Ebenbild der Erinnerung ist. Er spürt auch, dass Kris sich ihm immer anhängiger fühlt und Realität und Fiktion nicht mehr voneinander unterscheiden kann. Um Kris zu schützen, fässt er den Entschluss, sich seiner Selbst zu entledigen. Durch Versuche, die von Snaut, Kris und Sartorius durchgeführt wurden, kennt der Besucher diese Möglichkeit.
In einer Nacht schlüpft der Besucher aus dem Zimmer und führt mit Snaut und Sartorius den Versuch durch und löst sich selber auf. Kris kommt zu spät und kann nur noch mit ansehen, wie sein Besuch verschwindet.

Das Buch endet damit, dass Kris draußen auf der Oberfläche des Planeten auf einem Vorsprung sitzt und mit den nebelartigen Ausläufern des Ozeans spielt.

Wie bereits eingangs erwähnt ist das zentrale Thema dieses Buches der nicht zu überbrückende Widerspruch zwischen Wissenschaft und Emotionen. Lem vereint diesen scheinbaren Widerspruch jedoch in den Eigenschaften des Ozeans. Zum einen gehorcht dieser Ozean strengen wissenschaftlichen Regeln, zum anderen ist er in der Lage auf Menschen zu reagieren. Dabei scheint er sich einer Form der Kommunikation zu bedienen, die dem Menschen verschlossen bleibt. Es wird nicht klar, weshalb er den Wissenschaftlern diese Besucher zukommen lässt. Möchte er ihnen die Möglichkeit geben, mit diesen Menschen abermals Zeit zu verbringen oder möchte er, dass sie sich mit ihren Fehlern beschäftigen, um so eventuell Katharsis zu betreiben?

Das Buch entlässt einem mit dem Gefühl der fragenden Ungläubigkeit und hinterlässt im Leser viele Fragen. Dadurch bietet es viel Platz für Interpretation und Analysen im Leser. Da Lem ein Autor ist, der aus dem wissenschaftlichen Umfeld kommt, lässt er diese Fragen bewusst so offen, denn er möchte, dass der Leser sich philosophisch mit dieser Fragestellung auseinander setzt.

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